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Indikatoren/Forschung

Bienenbrotmonitoring

Bienenbrotmonitoring

Stand: 08.01.2020

Einleitung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein können, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung im Bereich Biologischen Vielfalt wird u.a. der Indikator „Bienenbrotmonitoring“ herangezogen, der die festgestellten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Bienenbrot (in den Bienenstock eingetragener Pollen) beschreibt. Für diesen Indikator wurde im NAP kein quantifiziertes Ziel festgelegt.

Beschreibung

Der Indikator basiert auf Daten, die seit 2004 im Rahmen des Projektes „Deutsches Bienenmonitoring (DeBiMo)“ erhobenen werden. Weiterhin werden im Rahmen des Projektes Daten zum Umfang auftretender Winterverluste an Bienenvölkern in ausgewählten Imkereien sowie zur Prävalenz der wichtigsten Bienenkrankheiten (insbesondere der Varroose) erhoben. Aufgrund seiner Struktur, Stichprobengröße und Datenerfassung ist das DeBiMo langfristig angelegt und nicht darauf ausgerichtet, relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen zu erfassen.

Bundesweit wirken über 100 Imker mit. Sie stellen repräsentativ und aktuell Daten zu Betriebsstrukturen und zur Überwinterungsdynamik ihrer Völker sowie Bienen-, Honig- und Pollenproben für Krankheits- und Rückstandsanalysen zur Verfügung.

Diagramm

Aussage

Im Rahmen des Projektes DeBiMo wird das im Bienenvolk eingelagerte Bienenbrot untersucht. Als Bienenbrot wird Blütenpollen bezeichnet, der von den Bienen im Bienenstock bei der Einlagerung in die Wabenzellen mit Speichel vermischt und dadurch haltbar gemacht wird. Im Bienenbrot sind höhere Wirkstoffmengen zu erwarten als im Nektar. Zudem dient das Bienenbrot über längere Zeit als Nahrung für Ammenbienen und Larven und kann daher zu langfristigen Effekten führen.

Im Bienenbrot können über 400 Wirkstoffe und deren Metabolite (Abbauprodukte) aus dem Pflanzenschutz nachgewiesen und quantifiziert werden („Multimethode“, LUFA Speyer). Die Rückstandsbelastung spiegelt im Wesentlichen die landwirtschaftliche Praxis wider. Die Rückstandsprobleme, die sich im Rahmen der Imkerei u.a. aus der chemischen Bekämpfung der Varroamilbe ergeben können, sind vernachlässigbar.

Die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen 2018 bestätigen im Wesentlichen die Ergebnisse aus den Vorjahren des Projektes. Im Jahr 2018 wurden von insgesamt 451 getesteten Substanzen 90 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen, meist im Spurenbereich und je Probe in der Regel mehrere Wirkstoffe (siehe Diagramm). Es wurden bis zu 33 verschiedene Wirkstoffe in einzelnen Proben gefunden (Vorjahre bis zu 34). Nur 8% der Proben waren ohne Rückstände (Vorjahre 3-14%). Fungizide aus Raps-Blütenbehandlungen wurden am häufigsten detektiert.  Die Nachweise des Insektizids Thiacloprid haben sich mit 48,4% im Jahr 2018 wieder reduziert und liegen somit unter den Werten der vorangegangenen Jahre (50-62%). Am zweithäufigsten wurde das Fungizid Boscalid (42,3%) detektiert, gefolgt von Azoxystrobin mit 36,9%. Den höchsten Wert aller untersuchten Wirkstoffe hatte das Fungizid Iprodion (3.880 µg/kg). Zwar wurde die Zulassung für Iprodion im März 2018 entzogen, jedoch bestand eine Aufbrauchfrist bis Anfang Juni 2018, so dass die hohen Rückstandswerte plausibel zu erklären sind. Ein direkter Zusammenhang zwischen Pflanzenschutz und Winterverlusten war nicht nachzuweisen. Es zeigte sich wie in den Vorjahren ein signifikanter Einfluss der Varroabelastung und der damit verbundenen Viruserkrankungen im Herbst auf die Überwinterung der Bienenvölker.

Anhand der im Rahmen des DeBiMo durchgeführten Pflanzenschutzmittel-Rückstandsuntersuchungen im Bienenbrot können relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen nicht erfasst werden. Der Kontakt der Bienenvölker mit subletalen Dosen von Pflanzenschutzmitteln wird jedoch kontinuierlich dokumentiert und dadurch Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis und deren Auswirkungen auf die Bienenvölker erfasst. Daneben unterstreichen die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen die Sinnhaftigkeit der Bemühungen der Bieneninstitute, Landwirte dahingehend zu beraten und zu animieren, dass auch die als „nicht bienengefährlich“ eingestuften Pflanzenschutzmittel möglichst außerhalb der täglichen Hauptflugzeiten ausgebracht werden sollten. Dadurch können Rückstandsbelastungen und mögliche subletale und/ oder additive Effekte minimiert werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Deutschen Bienenmonitoring:

https://bienenmonitoring.uni-hohenheim.de