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Indikatoren/Forschung

Bienenbrotmonitoring

Bienenbrotmonitoring

Stand: 27.10.2020

Einleitung

Ziel des NAP ist es, mögliche Risiken und Auswirkungen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt, die mit der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verbunden sein können, weiter zu reduzieren. Zur Darstellung der Risikoentwicklung im Bereich Biologischen Vielfalt wird unter anderem der Indikator "Bienenbrotmonitoring" herangezogen, der die festgestellten Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Bienenbrot (in den Bienenstock eingetragener Pollen) beschreibt. Für diesen Indikator wurde im NAP kein quantifiziertes Ziel festgelegt.

Beschreibung

Der Indikator basiert auf Daten, die seit 2004 im Rahmen des Projektes "Deutsches Bienenmonitoring (DeBiMo)" erhobenen werden. Weiterhin werden im Rahmen des Projektes Daten zum Umfang auftretender Winterverluste an Bienenvölkern in ausgewählten Imkereien sowie zur Prävalenz der wichtigsten Bienenkrankheiten (insbesondere der Varroose) erhoben. Aufgrund seiner Struktur, Stichprobengröße und Datenerfassung ist das DeBiMo langfristig angelegt und nicht darauf ausgerichtet, relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen zu erfassen.

Bundesweit wirken über 100 Imker mit. Sie stellen repräsentativ und aktuell Daten zu Betriebsstrukturen und zur Überwinterungsdynamik ihrer Völker sowie Bienen-, Honig- und Pollenproben für Krankheits- und Rückstandsanalysen zur Verfügung.

Diagramm

Aussage

Im Rahmen des Projektes DeBiMo wird das im Bienenvolk eingelagerte Bienenbrot untersucht. Als Bienenbrot wird Blütenpollen bezeichnet, der von den Bienen im Bienenstock bei der Einlagerung in die Wabenzellen mit Speichel vermischt und dadurch haltbar gemacht wird. Im Bienenbrot sind höhere Wirkstoffmengen zu erwarten als im Nektar. Zudem dient das Bienenbrot über längere Zeit als Nahrung für Ammenbienen und Larven und kann daher zu langfristigen Effekten führen.
Im Bienenbrot können über 400 Wirkstoffe und deren Metabolite (Abbauprodukte) aus dem Pflanzenschutz nachgewiesen und quantifiziert werden ("Multimethode", LUFA Speyer). Die Rückstandsbelastung spiegelt im Wesentlichen die landwirtschaftliche Praxis wider. Die Rückstandsprobleme, die sich im Rahmen der Imkerei u.a. aus der chemischen Bekämpfung der Varroamilbe ergeben können, sind vernachlässigbar.

Die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen 2019 bestätigen im Wesentlichen die Ergebnisse aus den Vorjahren des Projektes. Im Jahr 2019 wurden 4 weitere Substanzen in das Analyseprogramm aufgenommen, so dass die Bienenbrotproben mit der validierten Multimethode auf Rückstände von insgesamt 455 verschiedenen Substanzen getestet wurden. Von diesen 455 getesteten Substanzen wurden 90 verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen, meist im Spurenbereich und je Probe im Schnitt 6,5 Wirkstoffe (siehe Diagramm). Es wurden bis zu 25 verschiedene Wirkstoffe in einzelnen Proben gefunden (Vorjahre bis zu 34) und die einzelnen Wirkstoffe konnten 1- bis 61-mal nachgewiesen werden. Nur 4% der Proben waren ohne Rückstände (Vorjahre 3-14%). Die Sommerproben waren durchschnittlich mit einer Wirkstoffkonzentration von 125,6 µg/kg und 5,8 unterschiedlichen Wirkstoffen belastet, die Frühjahrsproben hingegen mit durchschnittlich 276,5 µg/kg und 8,4 Wirkstoffen.  Fungizide aus Raps-Blütenbehandlungen wurden am häufigsten detektiert, wobei unter allen Wirkstoffen das Fungizid Boscalid (48,1%) an erster Stelle steht, gefolgt von dem Herbizid Terbuthylazin mit 42,6%, dem Insektizid Thiacloprid mit 41,9% und den Fungiziden Azoxystrobin und Tebuconazol mit jeweils 38,8 %  Die Nachweise des Insektizids Thiacloprid haben sich dabei im Jahr 2019 weiter reduziert und liegen somit unter den Werten der vorangegangenen Jahre (50 - 62%). Den höchsten Wert aller untersuchten Wirkstoffe hatte das Fungizid Captan und deren Metabolite (3.646 µg/kg).

Ein direkter Zusammenhang zwischen Pflanzenschutz und Winterverlusten war nicht nachzuweisen. Es zeigte sich vielmehr wie in den Vorjahren ein hochsignifikanter Einfluss der Varroabelastung und der damit verbundenen Viruserkrankungen im Herbst auf die Überwinterung der Bienenvölker. Auch wenn die Rückstandsdaten keine akut toxischen Konzentrationen zeigen, so addieren sich bei zahlreichen Proben die Wirkstoffmengen der einzelnen Wirkstoffe auf mehr als 100 µg.

Anhand der im Rahmen des DeBiMo durchgeführten Pflanzenschutzmittel-Rückstandsuntersuchungen im Bienenbrot können relativ kurzfristige Auswirkungen spezifischer Maßnahmen nicht erfasst werden. Der Kontakt der Bienenvölker mit subletalen Dosen von Pflanzenschutzmitteln wird jedoch kontinuierlich dokumentiert und dadurch Veränderungen in der landwirtschaftlichen Praxis und deren Auswirkungen auf die Bienenvölker erfasst. Daneben unterstreichen die Ergebnisse der Rückstandsuntersuchungen die Sinnhaftigkeit der Bemühungen der Bieneninstitute, Landwirte dahingehend zu beraten und zu animieren, auch die Menge der als "nicht bienengefährlich" eingestuften Pflanzenschutzmittel möglichst zu reduzieren oder diese zumindest außerhalb der täglichen Hauptflugzeiten auszubringen. Dadurch können Rückstandsbelastungen und mögliche subletale und/ oder additive Effekte minimiert werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Deutschen Bienenmonitoring:

https://bienenmonitoring.uni-hohenheim.de