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Risikoreduzierung

Pflanzenschutztechnik

Pflanzenschutztechnik

Welche Auswirkungen Pflanzenschutzmittel auf die Umwelt und den Anwender haben, h├Ąngt nicht nur von der Beschaffenheit der Mittel selbst ab, sondern auch von ihrer Ausbringung.

Eine moderne technische Ausstattung und eine einwandfreie Funktionsf├Ąhigkeit von Pflanzenschutzger├Ąten k├Ânnen dazu beitragen, Eintr├Ąge von Pflanzenschutzmitteln in die Umwelt zu vermeiden und m├Âgliche Gesundheitsrisiken f├╝r Anwender und Umstehende zu minimieren. Auf Europ├Ąischer Ebene wurden durch die Maschinenrichtlinie (Richtlinie 2009/127/EG) und die Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie (Richtlinie 2009/128/EG) gemeinsame Rahmenbedingungen f├╝r die Anforderungen an die Pflanzenschutztechnik geschaffen. Durch ┬ž 16 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) und die Pflanzenschutzger├Ąteverordnung (PflSchGer├ĄtV) wurden die Europ├Ąischen Regelungen in deutsches Recht umgesetzt.

Anforderungen an Pflanzenschutztechnik

Neue Pflanzenschutzger├Ąte m├╝ssen bez├╝glich Ihrer Funktionsf├Ąhigkeit und Sicherheit die Anforderungen der Maschinenrichtlinie erf├╝llen. Die Hersteller garantieren durch die Vergabe des CE-Zertifikates inkl. einer Konformit├Ątserkl├Ąrung, dass diese Anforderungen eingehalten werden. Dar├╝ber hinaus k├Ânnen die Hersteller Ihre Ger├Ątetypen einer freiwilligen und unabh├Ąngigen Pr├╝fung durch das Julius K├╝hn-Institut unterziehen lassen (siehe unten).

Weiterhin schreibt ┬ž 16 Absatz 1 PflSchG f├╝r die Beschaffenheit von Pflanzenschutzger├Ąten vor, dass bei bestimmungsgem├Ą├čer und sachgerechter Verwendung des Ger├Ąts die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln keine sch├Ądlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier, Grundwasser und Naturhaushalt haben darf, die nach Stand der Technik vermeidbar sind. Im Gebrauch k├Ânnen bei Pflanzenschutzger├Ąten jedoch technische M├Ąngel wie undichte Stellen oder verschlissene D├╝sen auftreten, so dass eine sachgerechte und umweltschonende Verwendung des Ger├Ąts nicht mehr gew├Ąhrleistet ist. Deshalb m├╝ssen gem├Ą├č PflSchGer├ĄtV in Gebrauch befindliche Pflanzenschutzger├Ąte sp├Ątestens alle sechs Kalenderhalbjahre durch eine anerkannte Kontrollwerkstatt gepr├╝ft werden. Auch f├╝r neue Pflanzenschutzger├Ąte ist sp├Ątestens sechs Monate nach der Ingebrauchnahme eine Pr├╝fung erforderlich. Bei erfolgreicher Pr├╝fung erh├Ąlt das Ger├Ąt eine Plakette (siehe Abbildung) und einen Pr├╝fbericht. F├╝r die Verwendung eines Ger├Ątes ist eine g├╝ltige Pr├╝fplakette erforderlich. Ausgenommen von dieser Pr├╝fpflicht sind handgef├╝hrte oder r├╝ckengetragene Pflanzenschutzger├Ąte.

Aufgaben des Julius K├╝hn-Instituts

Das Julius K├╝hn-Institut bietet freiwillige Pr├╝fungen f├╝r Neuger├Ąte (Typpr├╝fung) mit unterschiedlichem Pr├╝fungsumfang an. Erfolgreich gepr├╝fte Pflanzenschutzger├Ąte werden in die "Beschreibende Liste" eingetragen.

Diese Ger├Ąte erf├╝llen die gesetzlichen Vorgaben nach ┬ž16 PflSchG. Ger├Ąte, die dar├╝ber hinaus nach ┬ž 52 PflSchG besondere Anforderungen hinsichtlich der Verminderung der Abdrift oder des Verbrauchs an Pflanzenschutzmitteln erf├╝llen, werden ebenfalls gepr├╝ft und in der "Beschreibenden Liste" gef├╝hrt sowie im Bundesanzeiger bekannt gemacht.

Des Weiteren koordiniert das Julius K├╝hn-Institut die Kontrolle der in Gebrauch befindlichen Pflanzenschutzger├Ąte. Dazu erarbeitet das JKI Kontrollmerkmale und Pr├╝fkriterien f├╝r alle kontrollpflichtigen Ger├Ątearten, auf deren Grundlage die Kontrolle der Pflanzenschutzger├Ąte durchgef├╝hrt wird. Dies erfolgt in von den Bundesl├Ąndern anerkannten Kontrollbetrieben.
Institut f├╝r Anwendungstechnik im Pflanzenschutz am JKI

Risikominderung durch Einsatz innovativer Technik

Durch technische Verbesserungen und moderne Ausstattung der Pflanzenschutzger├Ąte kann eine weitere Risikominderung bei Pflanzenschutzmittelanwendungen erreicht werden. Beispiele hierf├╝r sind unter anderem die Ausstattung von Pflanzenschutzger├Ąten mit einem Frischwassertank oder der Einsatz abdriftmindernder sowie Pflanzenschutzmittel einsparender Technik.

So helfen abdriftmindernde D├╝sen bei richtiger Verwendung dabei, dass w├Ąhrend der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln die Abdrift auf Nicht-Zielfl├Ąchen, beispielsweise Feldr├Ąnder und Oberfl├Ąchengew├Ąsser, deutlich reduziert wird. Dadurch verringern sich deutlich die Risiken f├╝r Mensch, Tier, Grundwasser und Naturhaushalt. Viele Pflanzenschutzmittel sind mit Anwendungsbestimmungen versehen, die bei der Verwendung abdriftmindernder Technik eine Reduzierung der Abst├Ąnde zu Gew├Ąssern oder Saumstrukturen wie zum Beispiel Hecken erlauben. Dies hat zur Verbreitung der abdriftmindernden Technik erheblich beigetragen.

JKI-Liste der "Verlustmindernden Ger├Ąte" als Bestandteil der "Beschreibenden Liste"

Der Austrag auf Nicht-Zielfl├Ąchen kann in Fl├Ąchenkulturen zus├Ątzlich durch die Verwendung von JKI-anerkannten Randd├╝sen verringert werden. Diese erm├Âglichen ein randgenaues Spritzen und mindern die Gefahr, dass der Feldrand unbeabsichtigt mitbehandelt wird. Weitere Informationen zum richtigen Einsatz von abdriftmindernder Technik und Randd├╝sen liefert das Merkblatt "Driftmindernde Technik".

Das Forum NAP hat in einer Empfehlung vom Februar 2019 festgehalten, dass bei Pflanzenschutzma├čnahmen im Ackerbau - erg├Ąnzend zu den vorhandenen Vorschriften - die generelle Verwendung abdriftmindernder Technik mindestens der Abdriftminderungsklasse 50 % auf der gesamten Anwendungsfl├Ąche praktikabel ist. Diese Verfahrensweise kann einen zus├Ątzlichen Beitrag leisten, um das Risiko von Abdrift auf Nachbarfl├Ąchen weiter zu reduzieren.  Zu dieser Handlungsempfehlung f├╝r die landwirtschaftliche Praxis informiert der NAP-Flyer ÔÇ×50 % Abdriftminderung als Standard in Fl├ĄchenkulturenÔÇť. Er gibt Hilfestellungen zur richtigen Verwendung von abdriftmindernder Technik. 

Flyer ÔÇ×50% Abdriftminderung als Standard in Fl├ĄchenkulturenÔÇť (pdf-Datei)

Ziel des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) ist es, die Verwendung von abdriftmindernden und Pflanzenschutzmittel-einsparenden Pflanzenschutzger├Ąten zu steigern. Dazu wurde der Indikator Pflanzenschutzger├Ąte festgelegt.
Weitere Informationen zum Indikator